Schlosskonzerte Königs Wusterhausen: Gesamtkunstwerk der großen Gefühle


Wochenspiegel, Bericht: Franca Palaschinski/Heidrun Voigt, Foto: Norbert Vogel

Sonderkonzert zur Rückkehr zweier Gemälde in die Offiziersgalerie im Schloss

Königs Wusterhausen. Mit einer Konzertlesung mit der Pianistin Gerlint Böttcher und dem Schauspieler Hans-Jürgen Schatz wurde kürzlich die Rückkehr zweier Portraits in die Offiziersgalerie des Schlosses Königs Wusterhausen nach 200 Jahren gefeiert. Die Veranstaltung fand im Festsaal der Kavalierhäuser statt. Vor dem Konzert lud Schlossleiterin Margrit Schulze zu einer Führung zur Geschichte und Herkunft der beiden Kapitäne von Rohr ins Schloss ein.

Es gibt von Franz Liszt mehrere Klavierzyklen unter dem Titel „Années Pèlerinage“ (Pilgerjahre). In ihrem Literaturkonzert widmeten sich Gerlint Böttcher und Hans-Jürgen Schatz dem ersten Band „Suisse“ (Schweiz). Dort lebte Franz Liszt 1835/36 vorübergehend mit seiner Geliebten, der Gräfin Marie d’Agoult, in der Nähe von Genf. Die Landschaft wurde zum Sinnbild seiner Erinnerungen und großen Gefühle.

Hervorragend trug Schatz die Lyrik und Prosa vor – verlieh mit der Allmacht der Sprache dem Wort Ausdruck und ließ Bilder von Landschaften und Naturgewalten entstehen.

Am Klavier nahm Böttcher die poetische Sprache auf und setzte die Landschaft in ein akustisches Bild um. Äußerst facettenreich war die äußere und innere Reise: So machten die klaren und lieblichen Töne im „Au lac de Wallenstadt“ (See von Wallenstadt) oder feinperlige, dahinplätschernde liquide Figurationen in „Au bord d’une source“ (Am Rande einer Quelle) ein idyllisches Gebirgspanorama ohne jegliche Bedrohung sichtbar. Virtuos transportierte Böttcher mit kraftvollen Läufen und Akkorden die Dramatik im darauffolgenden „Orage“ (Sturm).
Die Pianistin nahm den psychologischen Diskurs, den inneren Kampf um die Emotionen, auf: Kraftvoll, doch überaus klar trug sie diese Passagen vor. Dabei nahm sie sich die nötige Zeit für die vielfältigen und komplexen Tonwelten, um dieser inneren Auseinandersetzung gerecht zu werden. Wenige Worte von Schatz eröffneten daraufhin ein Spiel, „Eglogue“ (Hirtengesang), das befreit, locker, geradezu losgelöst vom emotionalen Kampf wirkte. Positiv und beschwingt ließ es sich vorübergehend nach vorne blicken. In den folgenden Stücken, die mit „Les Cloches de Genève“ (Glocken von Genf) endeten, breitete sich eine düstere, sehnsuchtsvolle Heimwehstimmung aus. Was blieb, war ein Nachklang, der die Zuschauer zutiefst bewegte und die Synthese von Musik und Dichtung beschloss.

Das Konzert fand in Kooperation mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg statt. Veranstalter war der Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark in der Deutschen Gesellschaft e.V.

Bildunterschrift: Im ausverkauften Sonderkonzert erlebte das Publikum in einem Wechselspiel aus Literatur und Musik eine Spannbreite großer Empfindungen.