Sonderkonzert im goldenen Herbst

Der Schulzendorfer, Text: Ronny Reckling, Fotos: Peter Adamik / Dirk Brzoska

Nun also doch: Im Herbst des Beethovenjubiläumsjahres kommt der große Komponist doch noch zu Ehren. Wenn auch die Schlosskonzerte Königs Wusterhausen 2020 coronabedingt um ein Jahr verschoben wurden, so findet am 31. Oktober doch ein Sonderkonzert in kleiner Besetzung statt. Gerlint Böttcher, Gründerin des Festivals, hat ein Programm zusammengestellt, das es in sich hat. Dafür hat sie den jungen umjubelten spanischen Cellisten Fermin Villanueva eingeladen und wird auch selbst spielen. Beide Musiker sind musikalische Weltbürger.

Gerlint Böttcher lebt in Eichwalde und ist als begehrte Pianistin weltweit unterwegs, zuletzt im Libanon, in China und Polen, konzertiert aber ebenso gerne in ihrer Heimat. Vor kurzem gab sie bei „Swimming Piano” ein außergewöhnliches Open-Air-Konzert mitten auf dem Eixener See. Sie spielte mehrere CDs ein und lehrt an der Hochschule für Musik “Hanns Eisler” in Berlin.

Der Cellist Fermin Villanueva ist längst eine feste Größe in der spanischen Musik. Seine Konzerte führten ihn über Europa hinaus bis in den fernen Osten. Auch er spielt solistisch mit namhaften Orchestern, arbeitet mit bekannten Komponisten wie Dieter Ammann und Pierre Boulez zusammen. Letzterer urteilte über Villanueva: „Ein großer Interpret.”

Das Programm des Abends ist exquisit und abwechslungsreich: Allem voran die Reminiszenz an den Jubilar. Von Ludwig van Beethoven (1770 – 1827) erklingt die Sonate für Klavier und Violoncello A-Dur op. 69. Es ist seine monumentalste Sonate in dieser Besetzung, leuchtend, brillant und voll lyrischer Melodien. Er schrieb sie 1808 während seiner Arbeit an der 5. und 6. Symphonie, was an manchen Stellen hörbar ist.

Der in Barcelona geborene Gaspar Cassado (1897 – 1966) komponierte die Suite für Violoncello solo Mitte der 1920er Jahre als früher Global Player der Klassik. Er war Lieblingsschüler des großen Pablo Casals in Paris und lernte bei Maurice Ravel. In diesem mitreißenden Werk verbindet er virtuos drei verschiedene Tänze.

Felix Mendelssohn Bartholdy (1808 – 1847) beeindruckte bereits als Wunderkind die Musikwelt.

Sein himmlisch schönes „Lied ohne Worte” für Violoncello und Klavier D-Dur op. 109 schrieb er 1846 für die 19jährige Lisa Christiani, der einzigen Cellistin, mit der er zeitlebens musizierte. Sie begegneten sich im Leipziger Gewandhaus, und ihr Name lebt in einem der schönsten Celli Antonio Stradivaris bis heute fort, dem „Stauffer 1700-ex christiani”.

Ein weiteres Highlight ist eine Uraufführung an diesem Abend: Der in Königs Wusterhausen lebende Arndt Netzel begann als Pianist, verlegte nach reger Konzerttätigkeit im In- und Ausland seinen Schwerpunkt jedoch auf das Komponieren. In seinem hier zitierten Werk „Nocturnes“, das poetisch und vielschichtig ist, bekennt er sich zur Romantik.

Betörend und spannungsreich ist Frederic Chopins (1810 – 1849) Scherzo Nr. 2 b-Moll op. 31, das er 27jährig in Paris schrieb. Das Scherzo war bisher wie in der Beethoven-Sonate einer der Mittelsätze eines viersätzigen Werkes. Chopin liebte Scherzi – und machte ein eigenständiges Musikwerk daraus.
Es gehört zu den Höhepunkten virtuoser Klaviermusik des 19. Jahrhunderts.

Das Konzert findet im Großen Saal der Hochschule für Finanzen in Königs Wusterhausen statt und wird um 17 und um 20 Uhr aufgeführt. Wegen der Abstandsregeln ist das Platzangebot beschränkt. Es gelten die jeweils gültigen Hygienevorschriften.

 

Bildunterschrift:
Schlosskonzerte Königs Wusterhausen: Festivalleiterin Gerlint Böttcher (Klavier) und der preisgekrönte Cellist Fermin Villanueva präsentieren zwei Sonderkonzerte.